Golfen in Schottland: Gullane No. 1

Platzkritik

Das in der Golfwelt weltweit bekannte schottische Städtchen Gullane, ist gemessen an seiner Einwohnerzahl kaum dichter besiedelt als das thüringische Bad Köstritz. Dies ist erwähnenswert, da das gesamte deutsche Bundesland Thüringen über 105 Golflöcher verfügt und Gullane alleine im Umkreis von 5 km insgesamt 126 erstklassige Spielbahnen zu bieten hat. Darunter mit dem Muirfield Golf Club auch ein Layout, welches schon als Austragungsort der British Open fungierte. Zudem bietet die Umgebung mit dem Renaissance Club einen weiteren Spitzenplatz der heuer als Austragungsort der Scottish Senior Open dient. Auch der Course No. 1 des Gullane Golf Clubs diente bereits 2015 als Austragungsort der Scottish Open. Das Turnier, welches 2015 von dem Amerikaner Ricky Fowler gewonnen wurde, wird laut neuesten Berichten 2018 wieder in den Gullane Golf Club zurückkehren. Im Zuge des Turniers spielen die Profis eine Kombination aus den Plätzen Gullane No. 1 (Löcher 2-16 und Loch 18) und Gullane No. 2 (Loch 7 und Loch 8).

Charakteristisch für alle 3 Plätze des Gullane Golf Clubs ist der Gullane Hill. Über diese kleine Erhebung ziehen sich einige der Löcher von Gullane No. 1, welche von einem unbekannten Architekten designt wurden. Auch die beiden anderen von Wille Park Jr. designten Kurse No. 2 und No. 3, werden von dem hügligen Gelände bestimmt. Traditionell dürfen Greenfee-Spieler auch alle Annehmlichkeiten des Clubs genießen. Spielen Sie die Kurse No. 2 oder No. 3, dann erhalten Sie Zutritt zu dem neu errichteten Clubhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Gäste die Gullane No. 1 spielen, bekommen Zutritt zu dem ursprünglichen Clubhaus der Anlage.

Der Start in der Golfrunde auf Gullane No. 1 ist relativ schwach. Erst auf Loch 2 führt der Platz auf den Hügel bzw. in eine Senke zwischen 2 Hügeln, wodurch die Spielbahn einen sehr engen Charakter bekommt. Die folgenden Löcher verlaufen bergab zurück auf die Ebene, bis schließlich Loch 5 wieder auf den Gullane Hill führt. Hier beginnt mit Loch 6, einem kurzen Par 4, meiner Meinung nach der reizvollste Bereich des Platzes. Darauf folgt ein weiteres, trickreiches Par 4, welches einen traumhaften Blick auf das Wasser und den nahe gelegenen Muirfield Golf Club ermöglicht.

Danach gönnt sich der Platz eine kleine Auszeit, denn an der 9. Spielbahn trifft man auf ein typisches Par 3, dessen Grün durch eine Vielzahl von Pott-Bunkern verteidigt wird. Ein Anblick, der nach 9 Tagen Golf in Schottland, kaum mehr Euphorie hervorruft, auch wenn das deutlich tiefer gelegte Grün seinen optischen Reiz hat. Mit der 10 folgt eine kerzengerade, recht lange Spielbahn, die durch eine Neugestaltung der Fairwaybunker, wieder an Reiz gewinnen soll. Eindrucksvoller dann wieder die 11. Spielbahn, ein 431 Meter langes Par 4, welches aufgrund des blinden Abschlages einiges an Platzkenntnis erfordert, um mit dem Drive nicht in einem der versteckten Fairwaybunker zu landen.

Die 12 ist genauso lang wie die 11, aber auf der Scorekarte als Par 5 gekennzeichnet. Dies ist erstaunlich da das Grün deutlich einfacher mit dem zweiten Schlag zu erreichen ist. Die letzten Löcher des Platzes sind dann wieder beeindruckend. Die 17 ist mit 357 Metern ein mittelschweres Par 4 und führt von Abschlag bis zum Grün steil bergab, was die Chance auf den „Longest Drive“ erhöht, aber gleichzeitig auch riskant ist. Der Approach muss immer aus einer Bergablage über 3 tiefe Pott-Bunker gespielt werden, wodurch das Loch einiges an Konzentration und spielerischem Können erfordert.

Für viele Golfer zählt Gullane No. 1 zu besten 3 Plätzen East Lothians, einige sind auch der Meinung das Gullane No. 2 aufgrund der ähnlichen Lage und nahezu identischer Löcher mit No. 1 vergleichbar ist. Ich persönlich finde aber, dass die auf der Ebene gelegenen Löcher zu wenig Flair haben, um Gullane No. 1 auf eine Stufe mit Muirfield oder North Berwick zu setzen. Dennoch ist Gullane No. 1 ein bemerkenswerter Platz, aber für das zu entrichtende Greenfee von 120 Pfund würde ich lieber Gullane No. 2 und Kilspindie spielen und hätte anschließend immer noch Geld für ein Getränk oder einen Snack an der Bar übrig.

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